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Was ist Weihnachten?

  • Andreas Stipsits
  • 24. Dez. 2024
  • 8 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 24. Dez. 2025

In erster Linie ist Weihnachten ein geistliches Fest: Gott wurde Mensch wie wir! Geistlich nennen wir es deshalb, weil im Bauch Marias die Eizelle von keiner Samenzelle eines Mannes befruchtet wurde, sondern von Gottes Geist: „Der Heilige Geist wird über dich kommen,... deshalb wird auch das Kind ... Sohn Gottes genannt werden.“ (Lk 1,35) Daher ist es ein Fest, das mit Gott zu tun hat und weil „Gott Geist ist“ (Joh 4,24), wird es GEIST-lich bezeichnet. Wenn dieses Kind, das wir zu Weihnachten in der Krippe betrachten, eine menschliche Mutter hat, aber keinen menschlichen Vater, wer ist dann der Vater dieses Kindes? Richtig: Gott! So ist dieses Kind also wahrhaft Mensch, aber zugleich auch wahrhaft Gott! Ein Gottmensch sozusagen, einzigartig in seinem Wesen. Ein WUNDER! In einem Lied heißt es über Jesus: „Keiner ist so wie Du.“ Das ist das Wunder von Weihnachten: Jesus! Es geht also nicht um Materielles, oder Geschenke, oder nur um unsere Familien, es geht um etwas viel Größeres - Maria gebar auf wundersame Weise Gott, daher ist sie die Mutter-Gottes und daher ist Weihnachten der Geburtstag Gottes selbst.


Bist du dir dessen schon mal so richtig bewusst geworden, dass Gott wie wir wurde? Ein unendlicher, glücklicher, vollkommener Gott, der unsterblich ist, WILL wie du und ich werden: Mensch und sogar sterblich, durch die Konsequenz der Ursünde. Unfassbar. Halt' mal kurz inne und denk darüber nach: Gott erschafft uns Menschen und Er findet uns Menschen trotz der Sünde so wertvoll, dass Er selbst wie wir wird. Er kommt aber nicht nur um unser Leben zu teilen, Er will uns wieder zu dem machen, was wir am Anfang ohne Sünde waren: heil und unsterblich!

Ist das nicht großartig?! Was sagt das über dich und mich? Obwohl Gott allmächtig und unbegrenzt ist, ist es, als würde Er uns zurufen:


"Alles in meiner Welt habe ich gut erschaffen und ich will darin selbst gegenwärtig sein als Mensch, mit allen Bedingungen und Grenzen. So will ich als Gott inmitten meiner eigenen Schöpfung sein und den Menschen Mut machen, welch ein großartiges Werk sie sind."


WOW! Gott ist somit kein Gegenüber mehr, kein Wesen "im Himmel oben, weit weg von uns", das wir nicht verstehen könnten, sondern mitten unter uns - einer von uns, wie wir! Er spricht nun so wie wir: menschlich.

Das heißt, dass alles, was wir Menschen tun, nun ab sofort auch Gott tut, außer die Sünde natürlich. Wir Menschen sind daher wie Gott geworden, weil Gott wie wir wurde.


Gott wollte wie wir im Bauch einer Mutter sein. Gott wollte geboren werden. Gott wollte als Kind aufwachsen. Gott wollte gehen lernen. Gott wollte aufs Klo gehen lernen. Gott wollte essen lernen. Gott wollte in einer Familie leben. Gott wollte einen Beruf lernen. Gott wollte leiden. Gott wollte sterben. Gott wollte als Mensch ewig leben und erstand vom Tod.


Das heißt, dass alles, was du als Mensch bist, großartig ist für Gott. So, dass Er es auch machen will, um dir zu sagen: "Du bist die Krone meiner Schöpfung, du bist mir das wichtigste, was ich schuf, ich will sogar leben wie du, damit du mit mir verbunden lebst!"


Die heftige Konsequenz dieser Wahrheit ist: wir haben nun keine Ausrede mehr einen Teil unseres Lebens anzuzweifeln, ob wir unser Ja wirklich geben sollen zu dem was uns gerade passiert.


Maria begriff als erste dieses Geheimnis, das nun für alle Menschen kundgetan wurde. Kein anderer Mensch wusste so tief um diese Wahrheit als Maria! Das heißt, dass Maria der erste wahrhaft geistliche Mensch war, nämlich ganz von Gottes Geist erfüllt. Und der heilige Josef war wie sie ebenso geistlich, als ihm der Engel sagte, dass das Kind von Gott ist und er sein Leben mit Maria und Jesus verbrachte. Also die ersten beiden zutiefst geistliche Menschen waren ein Ehepaar, ein Arbeiter und eine Hausfrau. Kein Priester, kein Einsiedler, kein berühmter Kaiser, oder Herrscher usw. sondern ganz einfache Leute. Bei ihnen wollte Gott Mensch sein. Nicht über sie herrschen, sondern mit ihnen leben. In einer Familie. Deshalb hat die Familie einen so hohen Stellenwert bei Gott: Er hat das Leben so geschaffen und geordnet. Sie verstanden das Geheimnis, das heute weder unsere Welt, noch unsere Politik und sogar die Theologen nicht mehr verstehen!


Maria jubelte über Gott ihren Retter! Und zwar nicht mit ihrem Körper sondern:

„Meine Seele preist die Größe des Herrn und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter.“ (Lk 1,46-47)

Maria war sich bewusst, dass sie eine Seele von Gott hat und mit dieser Seele erkennt sie Gott und gibt Ihm die Ehre für Sein Tun an ihr! Die Engel sangen in jener Nacht der Geburt:

„Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren!“ (Lk 2, 11)

Wenn von Weihnachten die Rede ist, kommt oft das Wort „Retter“ für Jesus vor. Jesus ist also der Retter... doch von was? Wovor oder wovon rettet uns dieses Kind?

Aus der ewigen Trennung von Gott! Wir Menschen sind ja seit Adam und Eva dem Tod unterworfen und nicht mehr heil und gut, wie wir es am Anfang der Schöpfung waren. Weil Adam und Eva im Paradies die Gegenwart Gottes verloren hatten mit ihrem Ungehorsam gegen Ihn, wurde die Erde zu einem Ort, an dem wir Gott nicht mehr sehen, weil die Sünde uns diese Sicht nahm. Nichts konnten wir Menschen selber TUN, um diesen Zustand zu ändern. Doch Gott erbarmte sich unser. Im alten Testament versprach Er einen Retter, der diesen Zustand ändern. Er selbst kam und änderte diesen Zustand von sich aus - ohne das Wirken eines anderen Menschen: Er war also die Rettung in seiner eigenen Person! Somit reißt Jesus die Trennung zwischen Gott und uns Menschen nieder und vereint Gott und Mensch. Im Lied "Jesus ist Kommen" heißt es:

"Gottheit und Menschheit vereinen sich beide; Schöpfer, wie kommst du uns Menschen so nah!"

Das erste Paar, Adam und Eva, wurde abgelöst durch das neue Paar: Maria und Jesus.

Wie in Adam alle sterben, so werden in Christus alle lebendig gemacht werden. (1 Kor 15,22)

Gott ist damit nicht nur in unser menschliches Leben gekommen, um mit uns zu sein, sondern noch mehr: um uns wieder ganz zu machen, wie am Anfang der Schöpfung! Um wiederherzustellen, was durch die Sünde verloren ging: das ewige Leben! Leben ohne Leid, Schmerz und Tod! Er rettet uns aus einem Leben auf Erden, dass nie "ganz" heil sein wird.


Was für ein Geheimnis! Maria erkannte dieses Werk in ihrer Seele und pries Gott! Die Seele ist das, was direkt von Gott geschaffen wird. Bei jedem von uns. Zwar entsteht unser Menschsein auch körperlich, durch die Vereinigung von Ei- und Samenzelle, aber in dem Augenblick, wo sie verschmelzen und eine wird, erschafft Gott den geistlichen Teil von uns Menschen. Das nennen wir die Seele. Die Seele belebt diese neue Zelle, aus der ein eigenständiger Mensch geworden ist mithilfe der Gabe von Mann und Frau. Und diese Seele hat schon ihre fertige Form, ob Mann oder Frau! Der Körper bildet sich nach diesem geistigen Bauplan unserer menschlichen Seele - nicht umgekehrt! So will Gott durch Fortpflanzung uns Menschen erschaffen indem Er unsere Mitwirkung als Mann und Frau festlegte. Maria gab ihren Teil als Frau, ihre notwendige Eizelle, um mit Gott mitzuarbeiten auf außerordentliche Weise, wie es nie geschah und nie mehr geschehen wird. Maria war sich bewusst, dass sie nicht nur einen Körper hatte, sondern, ebenso eine Seele die geistiger Natur ist. "Mein Geist jubelt" - das Weihnachtsgeschehen ist ein Jubel im Geist, in der Seele Mariens! In Marias Körper wurde nun der gegenwärtig, der sie aus Geist erschaffen hat: Ihr Schöpfer wurde ihr Erlöser! Sie erfuhr als erstes die Gnade der Vereinigung von uns Menschen mit Gott. Doch Gott wollte nicht nur bei Maria einkehren, es war der Beginn der Erlösung für alle! Mit der Geburt "verließ" Gott ihren körperlichen Bauch und trat für alle Menschen in die Welt.


Auch für dich und für mich:

„Und wäre Christus tausendmal in Bethlehem geboren, doch nicht in dir, du gingest ewiglich verloren!“ (Angelus Silesius)

Maria hat diesen Gott mit uns, den Immanuel nicht für sich in Betlehem geboren. Weißt du was das Wort Betlehem wörtlich heißt? Es ist hebräisch בֵּ֥ית לָֽחֶם und setzt sich aus zwei Wörtern zusammen, Bet - lehem, wovon "Bet" Haus und "Lehem" Brot heißt. Das macht zusammengesetzt das Wort "Haus des Brotes". Das ist eine tiefere Botschaft Gottes für uns, die uns der Geist Gottes offenbart in den Worten Jesu:

„Ich bin das Brot des Lebens ... Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist.“ (Joh 6,48.51)

Erkennst du es? Dieser Gott, der vom Himmel in Maria's Bauch kam und in Betlehem geboren wurde gibt uns vor seinem Tod eine Feier zu seinem Gedächtnis. In dieser wird Er nun zum Brot, das für alle Zeiten seine bleibende Gegenwart - sein ewiger Bund - mit uns Menschen sein wird. Daher spricht der Priester: "Das ist mein Leib", weil Jesus den Priestern diesen Auftrag gab: "Tut dies zu meinem Gedächtnis". Jesus, das Kind in der Krippe, das am Kreuz starb und auferstand, ist nicht wieder weg, sondern will in der Feier der Eucharistie bei uns bleiben. Wie in einem "Haus des Brotes" - ist das nicht der Tabernakel?! Ist nicht jede Kirche so ein Betlehem, so ein "Haus des Brotes", in der im Tabernakel das Brot, das zum Leib Jesu geworden ist, aufbewahrt wird, um uns zu zeigen, dass dieser Jesus nach wie vor bei uns ist???


Das Geheimnis von Betlehem ist nicht nur vor 2.000 Jahren geschehen, es geschieht bei jeder Heiligen Messe! Der heilige Kardinal John Henry Newman hat gesagt, dass in der Eucharistie immer das ganze Leben Jesu gegenwärtig ist: Tod und Auferstehung aber genauso ist die Geburt von Betlehem gegenwärtig wie wenn sie gerade geschehen würde.


So wunderhaft wie Gott in die Eizelle Marias kam, so wunderhaft kommt Er in jeder Heiligen Messe ins Brot, mit Seinem ganzen Leben. Er hat es so gewollt. Er ist allmächtig. Der heilige Franziskus, auf den unsere Tradition der Krippen zurückgeht und ein riesiges Verständnis von Weihnachten hatte, staunte und schrieb in seinem Brief:

„Der ganze Mensch erschauere, die ganze Welt erbebe, und der Himmel juble, wenn auf dem Altar in der Hand des Priesters "Christus, der Sohn des lebendigen Gottes" ist (Johannes 11,27)! O wunderbare Hoheit und staunenswerte Herablassung! O erhabene Demut! O demütige Erhabenheit, dass der Herr des Alls, Gott und Gottes Sohn, sich so erniedrigt, dass er sich zu unserem Heil unter der anspruchslosen Gestalt des Brotes verbirgt! Seht, Brüder, die Demut Gottes und "schüttet vor ihm eure Herzen aus" (Ps 61,9)“ (Brief an den Orden 26-28)

Darum sagt Angelus Silesius, dass Jesus in dir geboren werden müsse! Durch die Eucharistie wird Er in dir geboren, wenn du glaubst und Ihn annimmst!


Hier geht das Wort Gottes schon zum Teil in Erfüllung:

„Seht, die Wohnung Gottes unter den Menschen!“ (Offb 21,3)

Am Ende wird sich erfüllen, was wir jetzt unter Heiligen Zeichen der Sakramente begehen: Jesus wird in Herrlichkeit erscheinen. Derselbe, der Er aus Maria geboren wurde in Betlehem und als Brot des Lebens, der Eucharistie, durch alle Zeiten bei uns geblieben ist. Und wer hier auf Erden mit Ihm war, wird auch in der kommenden Welt weiterhin mit Ihm sein. Er selber sagt:

„Ich bin mit euch alle Tage bis zum Ende der Welt.“ (Mt 28,20)

Das ist das Geheimnis der Rettung durch Weihnachten: Gott mit uns. Heute und alle Tage, bis zum Ende der Welt! Daran ändert sich auch nichts mehr. Jeder, der will, kann in ein geistliches Leben mit Gott eintreten.


(*Für Informationen zum Autor dieses Artikels siehe das Impressum.)

 
 

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